e=mc2 - Skeptizismus und Esoterik
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RADICES der Kanarischen Kiefern

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e = mc2

Skeptizismus und Esoterik: Gegenpole oder Geschwister?
Ein Diskurs von Dr. Elke Stangl (e) und Claus Fritzsche (c)

Was auch immer menschlicher Geist ersinnt, im Netz wird es publiziert, beleuchtet und diskutiert. Wie im wahren Leben, so sind auch hier nicht alle Beiträge getragen von geistiger Tiefe und menschlichem Respekt. Dieser Eindruck drängt sich zumindest auf, verfolgt man diverse Internet-Foren, in welchen Skeptiker und Esoteriker aufeinander prallen. Fruchtbarer geistiger Austausch setzt die Fähigkeit voraus, sich gedanklich auf eine Gegenposition einzulassen und seinen Mitmenschen trotz unterschiedlicher Sichtweisen mit Respekt zu begegnen. Genau dies scheint jedoch die Ausnahme zu sein. Und so verwundert es nicht, dass erwähnte Internet-Foren vor allem eines produzieren: Unverständnis, Polemik und Emotionen. „Verbergen sich hinter Skeptikern und Esoterikern unvereinbare Gegenpole oder haben sie vielleicht mehr komplementäre Gemeinsamkeiten, als ihnen selbst bewusst ist?“ Dieser Frage gehen nachfolgend Dr. Elke Stangl und Claus Fritzsche nach.

Den folgenden Dialog finden Sie gleichzeitig auf den Webseiten www.radices.net und www.psychophysik.com. Ziel dieser Diskussion ist es nicht, mögliche Konflikte zwischen Skeptizismus und Esoterik aufzulösen oder per Argumentation „Sieger“ und „Verlierer“ zu ermitteln. Dr. Elke Stangl und Claus Fritzsche streben vielmehr an, den abstrakten Konzepten „Skeptizismus“ und „Esoterik“ etwas Leben einzuhauchen, neue Blickwinkel zu erlauben und neben der inhaltlichen Argumentation auch Ansätze eines Psychogramms der Diskutanten zu vermitteln.

Claus Fritzsche: Frau Stangl, unsere elektronischen Wege haben sich vor einiger Zeit zum ersten Mal im Forum Geisteswissenschaften des Open Business Club gekreuzt. Aus einer vorsichtigen Annäherung an die Frage „Was ist Esoterik?“ hat sich dort eine tiefgründige und kontroverse Diskussion ergeben. Unterhalten wir uns nun über das Thema „Skeptizismus und Esoterik: Gegenpole oder Geschwister?“ so sehe ich mich zu Beginn gleich mit mehreren Fragen konfrontiert:

Was meinen Sie?

Elke Stangl: Frage 3 ist für mich die eigentliche Schlüsselfrage, an deren (unterschiedlicher) Beantwortung sich Diskussionen zwischen Menschen aus unterschiedlichen Denkwelten oft entzünden.

Der Wert einer Definition liegt meines Erachtens in einer Klärung der Begriffe, um eine gemeinsame Basis und einen Rahmen für konstruktive Gespräche herzustellen. Dieser Rahmen sollte ermöglichen, Sach- von Metadiskussionen abzugrenzen oder persönlich und emotional gefärbte Behauptungen von Thesen, die (ebenfalls zu klärenden) wissenschaftlichen Kriterien genügen. Diese Abgrenzungen stellen keine Wertungen dar.

Was bedeutet das nun angewandt auf Frage 1 und 2? Ich möchte von sicherem Terrain ausgehen und mit einer historischen Betrachtung beginnen. Keine Wissenschaft oder Weltanschauung kann ohne Kenntnis ihrer Geschichte wirklich verstanden werden.

Skeptizismus“ war in der griechischen Philosophie ein Oberbegriff für unterschiedlich radikale Zugänge zur (Nicht-) Erkenntnis über unsere Welt – im Gegensatz zum Dogmatismus. „Esoterik“ war ein Oberbegriff für nur einem ausgewählten Kreis zugängliche Geheimlehren und/oder (je nach Deutung des ursprünglichen Wortes) von Wissen über die Seele („das Innere“) des Menschen. Beide Begriffe werden heute unterschiedlich ausgelegt, wobei ich das Gefühl habe, dass der Skeptizismus auf der Basis seiner historischen Wurzeln wesentlich leichter „zu fassen“ wäre.

Claus Fritzsche: Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia unterscheidet zwischen einer historischen und modernen Form des Skeptizismus.

Historisch: „Der Skeptizismus (von griechisch σκεπτικός, skeptikós - der Skeptiker) ist eine erkenntnistheoretische Strömung, nach der weder der Verstand (Rationalismus) noch die Erfahrung oder Wahrnehmung (Empirismus) unfehlbare Erkenntnis bringen kann.“ (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Skeptizismus)

Modern: „Als moderner Skeptizismus wird eine im Grunde vollkommen andere erkenntnisstheoretische Strömung bezeichnet und vom radikalen oder klassischen Skeptizismus unterschieden. Der moderne Skeptizismus fordert die kritische Prüfung von Hypothesen, jedoch verneint er nicht die Möglichkeit von Erkenntnis überhaupt. Deshalb erscheint hier vielen die schlichte Bezeichnung Skepsis angemessener. Das Ideal des modernen Skeptizismus ist die kritische Hinterfragung aller - alter wie auch neuer - Aussagen und Behauptungen. Demnach soll eine Behauptung nur als bewiesen angesehen werden, wenn rationale, stichhaltige Argumente für sie vorliegen. Es besteht eine Verwechslungsgefahr zum Dogmatismus, jedoch ist der moderne Skeptizismus Argumenten zugänglich und lässt die Hinterfragung jeder Aussage zu. Zwar stellt das kritische Hinterfragen das Ideal eines überzeugten Skeptikers dar, aber ebenso das Bewusstsein der eigenen Unfähigkeit, alles zu ergründen und dem potentiellen Erliegen eines Irrtums.“ (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Skeptizismus).

 In Hinblick auf Esoterik unterscheidet Wikipedia, das finde ich interessant, zwischen der Wortherkunft auf der einen Seite und der Begriffserklärung auf der anderen Seite.

Wortherkunft: „Wörtlich bedeutet das (griechische Adjektiv εσωτερική [γνώση] „das innere, innerliche, verborgene, geheime [Wissen]“ und „zum inneren Kreis gehörig“ (esôteros – das Innere). Das Wort „Esoterik“ bezeichnet traditionell und nach seiner Etymologie demnach eine Geheimlehre, die nur Eingeweihten zugänglich gemacht wird.“ (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Esoterik)

Begriffserklärung: „Die Esoterik (griechisch εσωτερική)  ist ein Sammelbegriff für Lebensanschauungen, die die Existenz von Kräften und Einflüssen außerhalb des naturwissenschaftlichen Weltbilds annehmen, aber keine Religionen im engeren Sinn sind.“ (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Esoterik)

Fasse ich einmal kurz zusammen, so ergeben sich für mich im Moment folgende Erkenntnisse: Wir nähern uns den Begriffen „Skeptizismus“ und „Esoterik“ von ihrer historischen Bedeutung her. Vor diesem Hintergrund handelt es sich um vollkommen unterschiedliche logische Dimensionen, welche in keinerlei Widerspruch zueinander stehen. Ignoriere ich den Aspekt der Wortherkunft (Geheimlehre), so geht die Esoterik laut Wikipedia im engeren Sinne davon aus, dass es Kräfte und Einflüsse außerhalb des naturwissenschaftlichen Weltbildes gibt, welche real sind. Skeptizismus ist hingegen eine Vorgehensweise, welche das Ziel verfolgt, den Wahrheitsgehalt von Behauptungen zu überprüfen.

Lasse ich mir dies alles einmal genüsslich auf der Zunge zergehen und folge ich der Begriffsdefinition von Wikipedia im engeren Sinne, so handelte es sich bei den in der Quantenmechanik auftretenden nichtlokalen Korrelationen („Spukhafte Fernwirkung“) vor ihrer naturwissenschaftlichen Entdeckung um Esoterik. Untersuchen physikalische Forschungslabore von Koryphäen wie z.B. Prof. Anton Zeilinger uns heute noch unbekannte Einflüsse und Kräfte, so müsste man hier folgerichtig von bedeutenden Zentren zeitgenössischer Esoterik sprechen. Was nicht ausschließt, dass in jedem der hier arbeitenden vermeintlichen Esoteriker auch ein Sekptiker steckt.

Frau Stangl, sind meine Ausführungen konsensfähig?

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radices.net ist eine Website von Elke Stangl