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Elke Stangl: Mir wird es jetzt wahrscheinlich nicht gelingen, auf jeden Ihrer Punkte
einzugehen. Das liegt auch daran, dass diese Diskussion eher Mindmap-artigen
Netzwerk-Charakter hat als einen roten Faden - was in der Natur der Sache liegt.
"Netzwerk" ist für mich ein Schlüsselbegriff, was die Untersuchung der
wissenschaftlichen oder esoterischen "Landschaft" betrifft. Diese Landschaften
werden für mich durch Communities repräsentiert und sind damit Landschaften der
Denkansätze, aber auch der handelnden Personen und Organisationen. Ihre
Einteilung in die Kategorien Nummer 1 bis 6 halte ich für eine von vielen sinnvollen
Möglichkeiten einer Klassifikation, die zeigt, dass es (auch) um kulturelle
Einflussfaktoren geht. Deswegen schlage ich auch vor, diese Landschaft in einer
"Social Network Analysis" zu untersuchen. Eventuell ist auch eine (semantische)
Analyse verwendeter Begriffe in beiden Welten sinnvoll, was letztendlich auch die
Vernetzung oder Abschottung zwischen den beiden Welten deutlich machen würde.
Mein Vorschlag bezieht sich ausschließlich darauf, die Hypothese von zwei eher
voneinander abgeschotteten Welten zu belegen, evtl. anhand der Publikationen, da
diese auch Beziehungsnetzwerke repräsentieren.
Sie sagen, dieses Projekt würde Sie überfordern – mich als Einzelperson sicher
auch. Mir geht es auch nicht darum, Wissen oder Erfahrung zu messen, da schließe
ich mich Ihnen an. Aber vielleicht ist auch dieses (Nicht-)Projekt schon ein
praktisches Beispiel für verschiedene Herangehensweisen? Wenn ich –
wissenschaftlich gesehen – der Meinung bin, dass diese Vorgangsweise sinnvoll ist,
sollte es nicht den Ausschlag geben, ob es von einem Einzelnen in einer bestimmten
Zeit durchgeführt werden kann. Der nächste Schritt wäre eine genaue Definition
eines solchen Projektes und die Suche nach Kooperationspartnern. Zu pragmatisch?
Ich gebe Ihnen also generell Recht, dass "Wissenschaft" in Ihrer tatsächlichen
Ausprägung auch und vielleicht sogar in erster Linie ein kulturelles Phänomen ist -
als Scientific Community, die aus Menschen und gewachsenen Prozessen mit
Geschichte besteht. Daraus resultiert für mich aber kein Freibrief für eine vollständige
und vorsorgliche Relativierung der Idee einer "wissenschaftlichen
Herangehensweise". Der Begriff erscheint mir in Ihren Statements eher vorbelastet
und ideologisch befrachtet zu sein durch Ihre Erlebnisse in Diskussionen mit
Skeptikern.
"Wissenschaftliche vorzugehen" ist - für mich - fast gleichbedeutend mit
"Hausverstand" und einem gewissen Pragmatismus, wie oben skizziert. Bei der
Formulierung jeder Theorie – esoterisch oder wissenschaftlich - sollten wir uns einen
Gesprächspartner vorstellen, der ohne theoretische Vorbelastung mit beiden Beinen
im Leben stehend wissen möchte, worum es hier geht und wo der Nutzen dieser
Theorie liegen soll. Ich finde, dass der auch von Ihnen erwähnte "Otto
Normalverbraucher" unterschätzt wird. Natürlich haben Sie Recht, was die (auch)
dogmatische Vermittlung von Wissen betrifft. Das "Kind Normalverbraucher" stellt da
meist die besseren – wenn auch "nervenden" – Warum-Fragen, die dann irgendwann
ersetzt werden durch die anekdotische Konsumation von
"Wissenschaftsberichterstattung" im Sinne von "Die Experten sagen…". Ich wünsche
mir die Verankerung von "wissenschaftlichem Denken" oder "skeptischem Denken"
als eigenes Schulfach oder zumindest als durchgängige "Philosophie des
Hinterfragens" in allen Fächern. Vielleicht könnten wir uns auf einen nicht
ideologisch behafteten Begriff dafür einigen.
Ich halte fest, dass wir beide Verbesserungspotential sehen und versuchen,
gesamtgesellschaftliche Fragen zu beleuchten, die uns von den Begriffen
"Skeptizismus" und "Esoterik" wegführen. Trotzdem werden meine Beiträge hierzu
wahrscheinlich für Sie immer den Touch von Reduktionsmus, wissenschaftlicher
Detailverliebtheit und Pochen auf Expertentum haben. Ich werde Reduktionismus
nicht verteidigen, da aus meiner Sicht jede sinnvoll betriebene Wissenschaft auch
einen holistischen Aspekt aufweisen muss. Mein persönlicher Anspruch an meine
eigene Arbeit liegt in der Bearbeitung von wissenschaftlich-technischen Problemen in
"Breite und Tiefe" und ich glaube, dass das trotz dem aus meiner Sicht eher platten
Slogan vom exponentiellen Wachstum unseres Wissens möglich und nötig ist.
Exponentiell wächst der produzierte, messbare "Content", nicht das echte Wissen.
Damit bin ich wieder bei einer meiner sehr viel oben angebrachten (bewusst etwas
provokativen) Thesen von der fehlenden Bereitschaft "esoterisch" oder
"parawissenschaftlich" denkender Menschen, sich in bereits bestehende Inhalte –
auch im manchmal nicht zu vermeidenden Detail – einzuarbeiten. Ich bin offen für
eine Diskussion darüber, ob die offizielle Scientific Community nicht manchmal auch
so ignorant agiert. Um das zu beweisen, bedarf es aber der erwähnten " Netzwerk-
Analyse der entsprechenden Communities und der (Nicht-)Vernetzung ihrer Zitate
und Fachbegriffe. Da ich hier sonst nur meinen subjektiven Eindruck wiedergeben
kann: Ich habe das Gefühl, dass es mehr "esoterische" Publikationen gibt, die
beginnen mit "In der XY-Forschung konnte noch nie zufrieden stellend gezeigt
werden, dass…." OHNE ein einziges Zitat, bzw. dass die parawissenschaftlichen
Communities tendenziell in sich geschlossener sind. Ich stehe dazu, dass das eine
von mir geäußerte, persönliche, ANGREIFBARE und damit FALSIFIZIERBARE
Hypothese ist – und ich liefere praktische Vorschläge, wie man das messen könnte.
