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(Fortsetzung) Elke Stangl:
Ich ahne jetzt auf der Basis des bereits Besprochenen das nächste Gegenargument:
Ihnen geht es gerade um "die Dinge, die sich genau diesen Methoden entziehen", ich
zitiere: "…dass Naturwissenschaften nicht die Wissenschaften der Natur sondern die
Wissenschaften der menschlichen Interpretation der Natur sind…" Und hier vermute
ich auch einen der tieferen Gründe für unseren "Konflikt": Sie verwenden z.B. die
Erforschung des menschlichen Bewusstseins als Beispiel. Hier kommt kein
Widerspruch von mir, das ist natürlich ein interdisziplinäres Thema. Und es ist vor
allem ein um die menschliche Existenz zentriertes Thema – und das ist eine
Gemeinsamkeit mit vielen Themen, die im weiteren Sinne bei Anwendung egal
welcher Definition auch "esoterisch" betrachtet werden (und es ist natürlich nichts
Abwertendes – weil das gleiche auch für viele Disziplinen der klassischen
Wissenschaften gilt, wie Psychologie und Erkenntnistheorie).
Ich behaupte (wieder in einer kühnen Hypothese), dass sich der typische skeptische
Wissenschaftler tendenziell eher bzw. "auch gerne" mit Phänomenen auseinander
setzt, die "in der Welt an sich" existieren. D.h. er nimmt einen Blickwinkel im Sinne
dessen ein, was als "Realismus" bezeichnet wird - im Sinne der strengen
philosophischen Definition, nicht der der Umgangssprache: Es existiert eine Welt
außerhalb meines Bewusstseins. Und ich halte es für möglich, dass es unmöglich ist,
erkenntnistheoretische, psychologische, neurobiologische,… Hypothesen und ihre
Zusammenhänge EINFACH zu formulieren.
Wissenschaft hat für mich viel mit Demut gegenüber der Komplexität zu tun. Der
Wunsch nach einfachen bzw. einfach und in natürlicher Sprache formulierbaren
Erklärungen ist verständlich und menschlich. Aber ich glaube nicht, dass die Welt
nur deswegen einfach (zu beschreiben) ist, weil wir es wollen. Ich gebe zu, dass ich
eine leichte Aversion habe gegen den "Hype", den manche Bilder aus der
Naturwissenschaft erleben: wie die Erklärung von jede Art von "nicht erklärbarem
Feld" durch eine stark metaphorische Sprache, die Begriffe aus Quantenphysik,
Relativitätstheorie etc. bestenfalls entlehnt, um nicht zu sagen, verzerrt. Es ist legitim,
interessant und bereichernd über die Bezüge zwischen einer "Welt an sich" und dem
menschlichen Bewusstsein nachzudenken – aber ich wünsche mir auch hier, dass
die Erkenntnisse vieler Denker auch Berücksichtigung finden. Und zwar auch solche
Erkenntnisse, die in den sperrigen Werken der Erkenntnistheorie verborgen sind und
sicher keine leichte Lektüre darstellen. Ich ERWARTE mir von jemanden, der
versucht, in interdisziplinärer Weise Erkenntnisse aus Quantenphysik und
Psychologie zusammenzuführen (esoterisch oder wissenschaftlich), auf MANCHEN
Teilgebiete AUCH Detailkenntnisse aufweisen zu können, idealerweise auf Gebieten,
die vielleicht als Ergebnis unserer "Network Analysis" nicht direkt benachbart sind.
Ich sehe ähnlich wie Sie, dass es hier auf beiden Seiten (aus anderen "reziproken"
Gründen) ein scheinbares Defizit der jeweils anderen Seite gibt. Auf den Punkt
gebracht - wieder bewusst SEHR provokativ:
Skeptiker – und da muss ich mich wohl nach meinen Ausführungen jetzt dazuzählen
– werfen Esoterikern vor, sich nicht die Mühe machen zu wollen in wissenschaftliche
Details einzuarbeiten und bei allem Bedarf an holistischem überblick den Boden das
Faktischen (des in Jahrhunderten Erarbeiteten und Erdachten) etwas unter den
Füßen zu verlieren. Und genau diesen "Bedarf von unkonventionellem Querdenken,
die über den Tellerrand blicken" vorzuschieben, um die eigenen Know-How-Lücken
zu kaschieren. Manchmal bekomme ich den Eindruck, dass man sich fast
entschuldigen muss, über irgendetwas im Detail Bescheid zu wissen, ohne gleich in
der Schublade "Detailarbeiter ohne Visionen" zu landen.
Esoteriker umgekehrt werfen Skeptikern vor, keine "eigenen Erfahrungen machen"
zu wollen und im extremen Fall ihr Leben in den Dienst eines "Kampfes gegen den
Aberglauben" zu widmen – was sich in Äußerungen niederschlägt, die nicht das Bild
von Lebensfreude oder Freude an der Arbeit vermitteln. Und Freude ist etwas
anderes als Interesse. Der Angelpunkt sind hier die EIGENEN ERFAHRUNGEN –
der Begriff lässt sich nur richtig deuten in Zusammenhang mit der (postulierten)
unterschiedlichen Sicht auf "die Welt" als untrennbar mit meinem Bewusstsein
verbunden. "Erfahrungen" können sich demnach nicht auf eine rein "intellektuelle
Nacharbeit" beziehen, sondern schließen ein, das "eigene Selbst" in die Waagschale
zu werfen.
Man könnte diesen Anspruch jetzt in die Nähe existentialistischer Philosophien
rücken. Ich bin selbst stark von Viktor Frankl geprägt und kann dieser Sichtweise an
sich viel abgewinnen. Frankl definiert "Glauben" so: "Der Glaube ist nicht ein
Denken, vermindert um die Realität des Gedachten, sondern ein Denken, vermehrt
um die Existentialität des jeweils Denkenden". Die hier im Raum stehende
Diskussion, ob "Glauben" und "Religiosität" jetzt in die Nähe von dem zu rücken sind,
was man als "Esoterik" und "Spiritualität" bezeichnet und was davon ein Gegenpol zu
Wissenschaft und Skeptizismus ist, bereichert diese Diskussion jetzt um eine weitere
Meta-Facette.
