Para-Wissenschaften
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Archaisches Ritual auf La Palma

Gegenpol zur etablierten Wissenschaft oder kulturelles Phänomen?

Für mich ist die Frage offen, ob es Sinn macht, "Parawissenschaft" von "Wissenschaft" abzugrenzen. Ich habe ein verschwommenes Bild gegensätzlicher Denkwelten im Auge, denen ich diese beiden Begriffe einmal zuordne.

Meine vorläufige Definition ist gleichzeitig auch eine - noch zu belegende - Hypothese, dass es Projekte und Personen gibt, die sich durch sinnvolle Kriterien eindeutig einer parawissenschaftlichen Gemeinschaft zuordnen lassen.

Ich würde mich selbst aufgrund meiner naturwissenschaftlichen Herkunft als Skeptikerin bezeichnen, was die Aussagen von Parawissenschaftlern betrifft, allerdings als "wohlmeinende Skeptikerin": Wohlmeinend nicht generell, was die konkreten Hypothesen betrifft, als die prinzipielle Motivation. Ich verstehe das prinzipielle Unbehagen gegenüber der „modernen“ Medizin und Wissenschaft, das oft eine Ursache für die „parawissenschaftlichen“ Gegenbewegungen zur "offiziellen Wissenschaft" zu sein scheint. Dieser Respekt wird aus meiner Sicht aber auf einer anderen Ebene begründet als sachliche wissenschaftliche Anerkennung.

Das Beispiel "Energie"

Ich würde das gerne an Beispielen vertiefen, das ich auch als Physikerin beurteilen kann. Natürlich besteht hier die Gefahr einer (für mich) "guten" Auswahl aufgrund meiner "Befangenheit". Andererseits würde es meinem Anspruch an meine eigene Glaubwürdigkeit widersprechen, hier Beispiel komplett außerhalb meiner Expertise zu wählen. Obwohl die bekanntesten alternativwissenschaftlichen Ansätze aus der Medizin zu kommen scheinen, habe ich daher Beispiele parawissenschaftlicher Theorien im Auge, die sich um die so genannte „Freie Energie" drehen, für die es kein klassisch-wissenschaftliches Analogon gibt. 

Meine ambivalente Haltung wird hier sehr deutlich: Einerseits untersuche ich die parawissenschaftlichen Behauptungen "reflexartig" sehr skeptisch und verliere immer bald den aus meiner Sicht unbedingt nötigen festen Boden konsistenter Definitionen unter meinen Füßen: weil ich Selbstkonsistenz innerhalb manhcer Theorien vermisse,  methodische Strenge und Bezüge zu vorhandenen Publikationen, die sich ob praktischer (experimenteller) Bewährung nicht wegdiskutieren lassen. Ich höre die Gegenfrage: "Und wenden Sie diese Kriterien auch auf die klassischen wissenschaftlichen Theorien an?" Ich bemühe mich - auch wenn es nicht immer zeiteffizient ist, alles immer wieder von vorne duchzudenken und beweisen zu wollen - wo man doch einfach irgendwo nachsehen kann, was "die Experten sagen"-

Andererseits habe ich Sympathie und Respekt vor Menschen, die sich in welcher Form auch immer mit dem Problemkreis "Energie" auseinandersetzen. Sonst würde man ja nicht auf einer meiner Seiten hier Windräder finden.

Trotzdem stelle ich mir die Frage, ob  das nicht auch ein perfektes Parabel-haftes Bild ist: die Suche nach der nicht zu fassenden Energie, die überall vorhanden ist und leicht genutzt werden könnte, würde nicht die Lobbies der Energiekonzerne dies verhindern.

Handelt es sich um eine moderne Version der Suche nach Atlantis oder dem heiligen Gral? Ich stelle diese Fragen nicht, um in pointiert-zynischer Form eine Art des Denkens abzuwerten, denn ich glaube, dass niemand völlig frei von einer Sehnsucht dieser Art ist - nur in völlig anderer Verkleidung.

Ich werde versuchen, diesen "wohlmeinenden Skeptizismus" in einer Art Mediator-Funktion auszuüben, bin mir natürlich auch der Grenzen meiner "Allparteilichkeit" (der obersten Pflicht) eines Mediators bewusst. Aus meiner Sicht muss es einen minimalen Konsens darüber geben, was Wissenschaft ist oder vielleicht auch, was sie sein kann oder soll, damit ein konstruktiver Dialog zwischen der anerkannten Scientific Community und ihres parawissenschaftlichen Gegenstückes möglich wird.

Hypothesen

Jetzt zu meinen Hypothesen zur einer abgrenzbaren para-wissenschaftlichen Gemeinschaft, die noch zu belegen sind

Wertmaßstäbe. Parawissenschaftler legen an Ihre Hypothesen und Theorien andere Wertmaßstäbe an als die klassische Wissenschaft (oder "Schulwissenschaft", wie sie von den Parawissenschaftlern oft bezeichnet wird. Meine offenen Fragen sind hier: Bis zu welcher Metaebene hat es Sinn, über den Sinn von Begriffen zu diskutieren bzw. sie zu relativieren?

Begriffe werden aus der offiziellen Wissenschaft übernommen oder besser gesagt aus dem sie umgebenden Gedankengebäude und Zusammenhang gerissen und ohne nachprüfbare Anleitung in einen neuen - für mich oft  fragwürdigen - Zusammenhang gestellt. "Fragwürdig" vor allem, weil ich den Eindruck habe, dass diese teilweise umdefinierten Begriffe nicht einmal innerhalb der neuen Theorien in sich konsistent verwendet werden.

Theorie versus Experiment. Theorien, insbesondere solche die durch formale Einfachheit bestechen, haben einen Wert an sich. Naturwissenschaftlichen Experimenten oder empirischen Untersuchungen wird ein geringerer Stellenwert eingeräumt. Auch hier stelle ich mir die Frage, ob intuitiv eine einfache Struktur erkannt wird (selbst wenn diese mathematisch - noch - nicht exakt formuliert wird) oder ob es sich wieder um eine Projektion der Suche nach dem "einen Objekt der Sehnsucht" in formale Theorien handelt.

Andere Wanderer zwischen den Welten

Besser als ich kann das sicher eine Betroffene formulieren (Geschichte einer Ex-New-Age-Autorin, die nun an einem Buch über die beiden Welten Esoterik und Skeptizismus schreibt).

radices.net ist eine Website von Elke Stangl, siehe Impressum. Wer versucht ist, das alles hier zu ernst zu nehmen, sollte zur Sicherheit auch folgende Sites besuchen EPSI, Subversives