Was ist (meine) Philosophie?
(Frühling 2011, Updates Frühling 2012)
Philosophie ist eine wissenschaftliche Disziplin, aber auch eine Art, über unsere Welt und unser Leben nachzudenken. In diesem Sinne ist die Philosophie jedem Menschen zugänglich (Jeder kann ein praktischer Philosoph sein!) und unterscheidet sich damit von den meisten Wissenschaften.
Obwohl »jeder ein Philosoph sein kann« halte ich es für sinnvoll, die Bandbreite des »bereits Gedachten« zu kennen. Meine Versuche der philosophischen Allgemeinbildung münden aber doch immer in die exzessive Beschäftigung mit Ansätzen, die mir persönlich entsprechen. Ich erheben daher keinen Anspruch auf Ausgewogenheit in der Darstellung.
Ich habe zwei unterschiedliche Zugänge zur Philosophie:
Naturwissenschaft und Mathematik
Als Naturwissenschaftler erschien mir Philosophie immer als die »Mutter aller Naturwissenschaften«. Auch in der Physik interessieren mich heute die philosophischen Aspekte: Wie erklärt die Naturwissenschaft die Welt? Was bedeutet »Erklären«? Warum kann unsere Welt so gut durch mathematische Gleichung beschrieben werden - bzw. kann sie das überhaupt? Hier geht es aus meiner Sicht um die ganzheitliche (und relativ nüchterne) Betrachtung unserer Welt - einer Welt, in der der Mensch nicht unbedingt eine zentrale Stellung einnimmt.
Ich stimme hier weitgehend Betrand Russell zu - auch und gerade seiner kritischen und nicht objektiven Betrachtung der Geschichte der Philosophie (History of Western Philosophy).
In diesem Zusammenhang ist auch meine skeptische Auseinandersetzung mit »Parawissenschaften« zu sehen: Ich versuche, zu verstehen, was genau Menschen in der »modernen Wissenschaft« eigentlich fehlt, so dass sie sich auf die Suche nach Alternativen begeben. Z.B. erscheint mir die Suche nach einer »einfachen Erklärung der Welt« wichtig zu sein, wobei die Messlatte für »einfach« oft an der eigenen Ausbildung angelegt wird. Trotzdem war und ist es auch der Wunsch nach Einfachheit und Vereinheitlichung, der auch orthodoxe Forscher antreibt.
Arbeitswelt
Als »Mensch in der modernen Lebens- und Arbeitswelt« erscheinen mir trotzdem viele »Probleme großer Denker« als abstrakt und nicht als direkt mit meinen persönlichen Lebensentscheidungen verknüpft - so sehr mich die Themen an sich interessieren. Das trifft auch auf Russell's Arbeiten zu den Grundlagen der Mathematik zu.
Ich habe mehrere Bücher über die Geschichte der Philosophie gelesen. Salopp gesagt erscheint mir diese Geschichte oft als eine Aneinanderreihung von Themen, die dann für Menschen interessant sind, wenn ihre existenziellen Probleme gelöst sind. Mir erschien immer Karl Marx als einer der ersten Denker, der den Menschen und sein Verhältnis zur Arbeit zum Thema machte (was nicht bedeutet, dass ich mit ihm inhaltlich immer übereinstimme). Es mag auch daran liegen, dass erst mit der Industrialisierung die »Arbeitswelt« viele ihrer heutige typischen Züge angenommen hat.
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Philosophie = Liebe zur Weisheit
(Version ~ 2005)
Ich versuche, Wissen auf unterschiedlichen Fachgebieten »in Breite und Tiefe« zu verbinden. Den besten Überbau dazu - wenn ich unbedingt eine Einsortierung in eine wissenschaftliche Disziplin brauche - liefert die Philosophie.
Und wenn ich einen Teilbereich wählen müsste, wäre meine Wahl die Erkenntnistheorie und Wissenschaftstheorie. Was können wir wissen? Was dürfen wir hoffen? (Kant, wahrscheinlich falsch zitiert, dafür aus dem Gedächtnis)
Wertvolle Impulse habe ich bei meinen ersten Gehversuchen in der Welt der Denker erhalten von, die im strengen Sinn nicht alle Philosophen sind (in Form ihrer schriftlich hinterlassenen Werke, nicht auf der Basis parawissenschaftlich-spiritueller Kontakte)
- Viktor Frankl
- Erich From
- Blaise Pascal
- Simone de Beauvoire
Ich zähle zu den Philosophen auch:
- Christopher Locke (Cluetrain-Manifest, siehe z.B. Chapter 1)
- David Weinberger (Buch: Small Pieces ...)
- Randy Komisar (Lieblingsbuch)
- Neil Postman
Und vielen Dank auch dem ersten echten Philosophen, der mir einen Einblick in seine Welt gegegeben hat, Prof. Volker Gadenne vom Institut für Wissenschaftstheorie, Universität Linz.
